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Also angefangen hat dieser ganze Bullshit am 15. September 1979. Muss wohl ein ziemlich stürmischer Spätsommertag gewesen sein. Was ich noch weiß ist die Tatsache, das ich wohl zu früh dran war. Ich glaube mich daran zu erinnern, das meine Mutter mal gesagt hat, das ich wohl drei Wochen zu früh gekommen bin. Wohl wieder mal typisch Kerl. Wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke, dann kann ich jetzt echt nicht verstehen, warum ich es so eilig hatte, in diese Welt geschmissen zu werden. Naja, ich würde mal sagen; jung, dumm und unerfahren, aber egal. Man sagt doch, das man sich an seine früheste Kindheit nicht erinnern kann, so etwa bis zum vollendeten dritten Lebensjahr. Eine ehemalige Freundin (dessen Namen ich jetzt nicht nennen möchte) meinte mal zu mir, dass sie sich an ihre früheste Kindheit erinnern konnte. Und das nicht, weil ihre Mami ihr davon erzählt hat, sondern aus eigenen Erinnerungen heraus. Ehrlich gesagt, ich wollte das schon damals nicht glauben, aber ich habe es ihr nicht gesagt.
Ich wohne in Berlin Marzahn und das schon so gut wie mein ganzes Leben. Bis auf mein erstes halbes Jahr, auf diesen Sand- und Wasserklumpen. Da haben wir noch in Friedrichshain gewohnt, bei meiner Oma, der Mutter von meinem Vater. Leider lebt sie nicht mehr. Das Bild auf der linken Seite wurde von unseren Balkon aus gemacht und wie man unschwer erkennen kann (finde ich jedenfalls) war da gerade tiefster Winter. Ich weiß nicht mehr wer das war, aber einer meiner Freunde meinte mal, das dieses Bild im Sommer - und dazu auch noch am Tage - gemacht wurde. Dem ist natürlich nicht so. Es war, wie gesagt, im Winter und außerdem eine viertel Stunde vor Mitternacht (wenn ich mich noch richtig daran erinnere).
Ich denke mal nicht, das ich in Berlin abkratzen werde. Schon seit einigen Jahren denke ich daran, wie es wäre, in einer anderen Großstadt zu leben und Großstadt muss es schon sein, also da geht nichts unter 100.000 Einwohner. Wer mich jetzt nach den Gründen für diese Gedanken fragt, wird natürlich vor allem auch zu hören bekommen, dass es mich wegen meiner beruflichen Perspektive von hier weg zieht, aber das ist - ganz sicher - nicht der einzige Grund.
Meine Kindheit war so sehr DDR-mäßig wie es nur ging und wohl auch bei jedem war. Der Kindergarten war meist die Hölle. Die eine Erzieherin, Storch hieß glaub ich diese dämliche Nuttenschlampe, hat auch mal mit der Hand zugelangt wenn mal nicht gleich pariert wurde, nicht oft, aber doch regelmäßig. Außerdem habe ich den Freitag immer gehasst, weil da regelmäßig Sport dran war. Wer mich kennt weiß, das ich total unsportlich bin und auch dementsprechend aussehe. Das hat zum Teil auch gesundheitliche Ursachen, auch wenn ich dazu sagen muss, das wenn ich damals mehr mitgemacht hätte, dass ich dann heute vielleicht nicht diese Probleme mit meinem Rücken hätte.
Man kann mir viel nachsagen, aber nicht das ich die Schuld, für alles negative, auf Andere versuche abzuwälzen. Ich weiß, das ich selber für mein Versagen schuld bin.
In der Schule ging der Stress dann erst richtig los. Meine Eltern und übrigen Verwandten meinten damals noch: >>Ja, Micha, das wird Dir gefallen!<< Ich schätze mal, dass das alle Kinder gehört haben. Scheißdreck... nach dem zweiten Tag hatte ich schon die Schauze voll. Meine Klassenkameraden waren das Letzte und so war ich die ganze Zeit, wo ich mit dem stinkenden Haufen zusammen war, ein Einzelgänger und dass hat sich auch nie wirklich geändert, solange ich in dieser Klasse war. Und das waren immerhin sechs lange, beschissene Jahre. Ich hatte in der Zeit trotzdem ein paar Freunde gehabt. Das war vor allem ein Nachbarsgeschwisterpaar und deren Freunde bzw. Freundinnen. Die waren ein Jahr jünger als ich und nachdem sie eingeschult wurden (und ich dann folglich in die zweite Klasse kam) hatte ich auch Leute, mit den ich meine Pausen verbringen konnte. Allerdings ist das dann auch nach einer ganzen Weile wieder im Sande verlaufen, aber egal. Woran ich mich, was die “Epoche†angeht, am meisten erinnern kann, ist die sechste Klasse. Oh man, das war das schlimmste Zeugnis, das ich bis Datum hervorgebracht habe. Allerdings hatte ich auch irgendwie das Gefühl, als wenn mich die Klassenlehrerin auf dem Kicker gehabt hätte. Und apropo Klassenlehrerin, die, die wir in der ersten bis fünften Klasse hatten, na die konnte man ja auch nur in die Tonne treten. Typische DDR-Lehrerschnalle die uns zeigen wollte wie geil doch der Sozialismus ist. Sozialdemokratisch ist schon scheiße genug, wie wir ja schon seit vier Jahren am eigenen Leibe spüren können. Und dann diese ewig bekackten langweiligen Pioniernachmittage. Oh man, wie ich diese Scheiße gehasst habe. Dieses ewig stupide Gelabere über Friede, Freude, Eierkuchen, und dann in der nächsten Minute haben dich die gleichen Jungpioniere wieder verbal fertig gemacht. So ein Misthaufen möchte ich echt nie wieder begegnen.
Nachher, dann in der Gesamtschule wurde das dann schon etwas anschaulicher. Da gab es dann auch jemanden in der Klasse, der genauso crazy drauf war wie ich. Und wir konnten dann unser eigenes Ding durchziehen und ein auf Lehrerschreck machen. Später haben dann die Zensuren darunter doch ganz schön gelitten, aber das war mir in dem Moment eigentlich egal. Ich wollte einfach nur jung und frech sein. Alles andere war mir da egal. Ich wollte wohl auch ein bissel meine verlorenen Jahre aus Klasse 1 bis (einschließlich) 6 doch noch mal erleben, wenn ihr versteht was ich meine.
Nach der Schule... na was kommt dann? Natürlich die Lehre. Einige würden jetzt bestimmt schreien >>das Abi!<<. Ich bitte euch Leute - nicht bei mir! Zuerst sah es ja gar nicht so gut aus. Ich hatte einfach keine Stelle gefunden (wie überraschend). Das einzige was ich gefunden habe, war eine Schule in der ich so eine Art Vorbereitungsjahr machen konnte bei den ich auch gleich den Realschulabschluss nachmachen konnte. Ich habe mich dann aber trotzdem noch schön weiter beworben und auch tatsächlich was gefunden. So das mein Besuch in der oben genannten Einrichtung nur von kurzer Dauer war. Dafür hatte ich was anderes bekommen. Und zwar einen täglichen Fahrweg von etwa drei Stunden, einmal von Marzahn nach Spandau, und wieder zurück. Aber ich denke mal, ich habe es nicht bereut. Es waren schöne 42 Monate. Besonders die drei Seminarfahrten, die wir gemacht haben waren herrlich. Ich kann ja später noch mal was dazu schreiben hier, wenn es jemanden interessiert. Die Bilder von der dritten Fahrt die könnte Ihr ja auch alle hier, auf meiner Seite sehen. Den Abschluss, den ich dann da hatte (natürlich mit meinem Gesellenbrief) war zwar nicht so pralle, aber es hätte auch schlimmer werden können. Vor allem wenn man bedenkt, das ich die Zwischenprüfung sowas von vergeigt habe.
Was nach einer Lehre ansteht, das wissen wahrscheinlich auch die meisten, jedenfalls die männlichen Abgänger. Es folgt die Einberufung in den Zwangsdienst, zumeist ist damit der Dienst an der Waffe gemeint. Allerdings habe ich mich dem verweigert. Ich hätte eh nie gedacht, das die mich für tauglich einstufen würden. Aber die Drecksäcke haben es doch getan. Das war schon lustig genug, bei der Musterung. Als ich dann bei dem Orthopäden (oder wie das heißt) drin war. Der Typ konnte gar nicht mehr damit aufhören, aufzuzählen, was ich alles für Scheiße an meinem Rücken habe und trotzdem haben die mich mit T7 eingestuft. Das bedeutet das ich drin bin, auch wenn ich vom Grundwehrdienst befreit bin. Übrigens, früher war T7 gleichbedeutend mit Ausmusterung. Nur das war einmal und ist nicht mehr. Aber da ich kein Bock habe, für dieses verranzte Land mein Arsch zu riskieren (irgendwann kommt es wirklich noch so, wir es jetzt in den Verschleimten Staaten von Amerika ist) und so habe ich mich dem Dienst an der Waffe verweigert. Es lief auch alles glatt. Meine Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer wurde angenommen und ich konnte den zivilen Zwangsdienst machen. Um als Verweigerer anerkannt zu werden muss man ja so ein Bericht schreiben, indem man seine Gründe für die Verweigerung offen legt. Ich habe einfach ein Schreiben von einem Freund zur Vorlage genommen und ihn im Grunde nur abgeschrieben. Ich denke mal, das die Bundeszentrale für Kriegsdienstverweigerung täglich tausende von solchen Schreiben bekommen die, mal abgesehen vom Datum und dem Absenderfeld, alle gleich aussehen. Aber das scheint sie wohl nicht weiter zu jucken. Also habe ich wie gesagt mein Zwangsdienst zivil geleistet und das war in einer Werkstatt für Behinderte, in Berlin Friedrichshain. Das war schon ne lustige Zeit, aber zuweilen auch sehr stressig, wenn da mal einer meinte mal kurz ausklinken zu müssen. Aber ansonsten war es trotzdem cool. Ich verstand mich auch sehr gute mit den anderen Zivis und mit den Hauptamtlichen Mitarbeitern. Der Chef von dem Verein war natürlich ein dummer und mieser Kotzbrocken, aber ich nehme mal an, das gehört dazu. Das ist wohl so eine Art ungeschriebenes Gesetzt, das der so scheiße sein soll.
Tja und danach ging dann erstmal die große Arbeitslosigkeit los. Das war im August des Jahres 2001. Eigentlich hatte ich eine Umschulung angestrengt. Dafür musste ich nun zu einem Amtsarzt. Aber das Arbeitsamt, scheiße wie die nunmal sind, haben meine Akte da verschlampt und so mußte ich deshalb genau ein Jahr auf den Termin warten. Und ergeben hat das ganze nicht wirklich viel bzw großartiges. Man kann den Wisch so oder so interpretieren. Dazu kam noch die Tatsache, das mein Arbeitsamt umgezogen ist und ich in Folge dessen ein neuen Vermittler bekommen habe. Und zwar eine Frau und eine dämliche dazu. Das einzige was diese dumme Kuh konnte war mir drohen. Aber ihrem dämlichen Job, den hat sie nicht erfüllt, und zwar mir Arbeit zu besorgen.
Stattdessen hat mir meine Schwester geholfen. Die Sache kam eigentlich ganz zufällig ins Rollen. Wir hatten mal miteinander telefoniert, allerdings weiß ich jetzt nicht mehr worum es da ging. Und irgendwann kamen wir dann auf die berufliche Schiene. Sie sagte mir, das es bei ihr ein Aushang gab, wo darauf hingewiesen wurde, das der Träger (wo sie beschäftigt war) noch Auszubildende für den Bürobereich suchen würden. Sie gab mir dann ganz schnell die Telefonnummer der Schule. Ich rief am nächsten Tag an (an diesem Tag war es schon spät) und ich wurde gebeten am Montag zu einem Gespräch dorthin zukommen. Erwähnensert ist noch, dass es sich hierbei nicht um eine klassische Ausbildung, sondern um eine verkürzte handelt. Das ganze nennt sich: “Jugendsofortprogramm†(JUSOPRO). Das ganze wird vom Arbeitsamt finanziert. Von dem bekomme ich auch meine Vergütung, die nicht wirklich sehr hoch ist. Und darüber hinaus auch Geld für eine Monatskarte, damit ich mit den öffentlichen auch zu meiner Arbeit und zu meinem Praktikumsplatz fahren kann. Und das Geld was ich jetzt bekomme, das werde ich wahrscheinlich auch bis zum Schluss bekommen. Keine Erhöhung nach jedem Ausbildungsjahr, kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Ich bin ja da noch nicht einmal arbeitslosenversichert. Ich kann also nur hoffen und beten, dass ich nach der Ausbildung auch einen Job bekomme, denn ich habe nicht mehr viel Zeit, in der ich noch Arbeitslosengeld bekommen würde (dank den Drecksäcken vom AA!). Ich weiß nichtmal, ob ich überhaupt noch Geld bekommen würde, nachdem das Regi... ääh ich meine die Regierung einen weiteren Weg gefunden hat, um den Bürgern das Leben noch beschissener und trostloser zu machen. Na wenigstens sieht es zensurenmäßig im Moment nicht so schlecht aus, im Moment. Also im ersten Halbjahr meine ich natürlich. In der ersten Woche jetzt hier haben wir ja schließlich noch keine Zensuren bekommen. Trotz der oft aufkommenden Langeweile habe ich sehr viel Gefallen an meiner neuen Tätigkeit gefunden. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn wir dann im September den Europäischen Computerführerschein machen. Das ist eine Zusatzqualifikation allererster Klasse! Wenn ich sie von mir aus machen würde, dann würde mich das sehr teuer zu stehen kommen und so bekomme ich es gestellt. Mit meinen Mitkollegen habe ich auch keine Probleme. Ich komme mit allen sehr gut klar. Bei einigen kann ich zwar manchmal wirklich nur den Kopf schütteln, aber was solls, so hat man wenigstens öfters mal was zum lachen.
Fortsetzung folgt...
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